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Dorothea Viehmann

Lebensgeschichte

Dorothea ViehmannDorothea Viehmann war die Tochter des Gastwirts Johann Friedrich Isaak PIERSON und dessen Frau Martha Gertrud, geb. SPANGENBERG die aus einer alten hessischen Gasthalterfamilie stammte. Geboren wurde sie am 8. November 1755 auf der zwischen Niederzwehren und Kirchbauna gelegenen Gaststätte „Zum Birkenbaum" (auch: „Zum grünen Baum"; sog. „Knallhütte"), in die 1749 ihr Großvater Johann Friedrich Pierson (um 1697-1777) eingeheiratet hatte und die ihr Vater später übernahm. Ihr Urgroßvater väterlicherseits, Isaak Pierson aus Metz (auch: Piercon; um 1655-1741), gehörte zu den ersten Glaubensflüchtlingen, die 1686 aus Frankreich in Hessen eintrafen, und hatte der Hugenottengemeinde Schöneberg bei Hofgeismar vorgestanden. Interessant ist auch Dorothea Viehmanns Ahnenlinie mütterlicherseits: Durch den Weinhändler und Bürgermeister Valentin Schröder aus Schwarzenborn ist sie über einige Ecken sogar mit Goethes Vorfahren mütterlicherseits verwandt.

Dorothea Viehmann wuchs in der „Knallhütte" auf und wird sich dort vielleicht schon früh etwas vom erzählerischen Repertoire der einkehrenden Fuhrleute und Bauern sowie auch von Soldaten der durchziehenden Heere des Siebenjährigen Krieges angeeignet haben; andere Erzählungen wird sie unmittelbar über ihre Familie aufgenommen haben. Vertraut war sie vermutlich auch mit Werken der deutschen und französischen Literatur. In Rengershausen ging sie zur Schule und wurde Ostern 1769 in Kirchbauna konfirmiert. 1777 heiratete sie den Schneider Nikolaus Viehmann (1754-1825), mit dem sie zunächst bei den Eltern auf der Knallhütte wohnte und 1787 schließlich in das damals vor den Toren Kassels liegende Dorf Zwehren zog. Mit ihm hatte sie mindestens sieben Kinder, wobei (nach Auskunft der Kirchenbücher) zwischen 1778 und 1787 keine Kinder geboren wurden; da zwei ihrer Kinder früh verstarben hatte sie für fünf Töchter und einen Sohn zu sorgen sowie später zusätzlich für sechs Enkelkinder, deren Vater früh starb. Sie führte ein bescheidenes, nicht selten von Not und Armut gekennzeichnetes Leben. Zur Aufbesserung ihres Lebensunterhaltes zog sie häufig mit einer Kötze auf dem Rücken von Zwehren nach Kassel, um dort die Produkte ihres Gartens zu verkaufen. Sie starb in Niederzwehren am 17. November 1815.

Dorothea ViehmannDer Gastwirtstochter und Schneidersfrau Katharina Dorothea VIEHMANN haben die Brüder Grimm ein zunächst beschreibendes, später auch bildliches Denkmal gesetzt.

„Eine jener guten Zufälle", - heißt es in der Vorrede zum zweiten Band der Kinder- und Hausmärchen von 1815, - „aber war die Bekanntschaft mit einer Bäuerin aus dem nah bei Cassel gelegenen Dorfe Zwehrn, durch welche wir einen ansehnlichen Theil der hier mitgetheilten, darum ächt hessischen, Märchen, so wie mancherlei Nachträge zum ersten Band erhalten haben.

Die namentliche Erwähnung und signifikante Herausstellung der „Viehmännin" hat seinen besonderen Grund, denn diese „Märchenfrau" der Brüder Grimm unterscheidet sich durch ihre soziale Stellung, ihr Alter und ihr außerordentliches Erzähltalent erheblich von den anderen fast ausschließlich aus dem gebildeten Bürgertum oder dem Adel stammenden Märchenbeiträgern der Grimms.

 

 

Copyright 1999 by the author Dr. Bernhard Lauer